Das Rote Meer ist eines der vielfältigsten und faszinierendsten marinen Ökosysteme der Welt und beherbergt eine reiche Vielfalt an Korallenriffen, Fischen und wirbellosen Tieren. Doch vielleicht sind die aufregendsten und beeindruckendsten Bewohner des Roten Meeres die Haie. Diese uralten Raubtiere durchstreifen seit Millionen von Jahren die Ozeane und spielen eine entscheidende Rolle für das Gleichgewicht und die Gesundheit des marinen Ökosystems. In diesem Blogbeitrag gebe ich Tipps und Einblicke, wann und wo man verschiedene Haiarten im Roten Meer am besten beobachten kann, darunter Hammerhaie, Ozeanische Weißspitzenhaie, Tigerhaie und Walhaie. Außerdem erfahren Sie mehr über den Schutz dieser beeindruckenden Tiere und die Herausforderungen, denen sie durch Überfischung, Lebensraumzerstörung und Klimawandel ausgesetzt sind.
Hammerhaie
Hammerhaie sind leicht an ihrer markanten Kopfform zu erkennen, die ihnen ein größeres Sichtfeld ermöglicht und ihre Fähigkeit zur Beuteerkennung über Elektrorezeption verbessert. Im Roten Meer kommen drei Arten vor: der Gefleckte Hammerhai, der Große Hammerhai und der Glatte Hammerhai. Diese Haie leben meist einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen, können sich jedoch zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten in großen Schulen versammeln.
Beste Beobachtungszeit:
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Südliches Rotes Meer: Mai bis Juli
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Nördliches Rotes Meer: Juli bis September
Beliebte Tauchplätze: Daedalus Riff, Elphinstone Riff, Jackson Riff, Rocky Island.
Hammerhaie sind scheu und zurückhaltend; Geduld und respektvolles Verhalten sind nötig, um sie zu sehen. Sie werden häufig morgens früh oder nachmittags gesichtet, wenn sie sich der Oberfläche nähern oder Reinigungstationen aufsuchen.
Ozeanische Weißspitzenhaie
Ozeanische Weißspitzenhaie gehören zu den am weitesten verbreiteten und anpassungsfähigsten Haiarten der Welt. Sie haben einen robusten Körper, lange Brustflossen und weiße Spitzen, die ihnen ihren Namen geben. Sie sind opportunistische Jäger und ernähren sich von Fischen, Tintenfischen, Schildkröten, Seevögeln und sogar Meeressäugern. Sie fressen auch Aas, z. B. tote Wale oder Fischreste von Fangbooten.
Beste Beobachtungszeit:
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Südliches Rotes Meer: Oktober bis Januar
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Nördliches Rotes Meer: März bis Mai
Beliebte Tauchplätze: Big Brother Island, Small Brother Island, Elphinstone Riff, St. John’s Riff, Fury Shoal.
Diese Haie sind mutig und selbstbewusst; beim Tauchen mit ihnen ist Vorsicht geboten, da sie aggressiv werden können, wenn sie sich bedroht fühlen oder Nahrung in der Nähe ist.
Tigerhaie
Tigerhaie sind eine der größten und mächtigsten Haiarten der Welt, bis zu 5 m lang und bis zu 900 kg schwer. Sie besitzen ein markantes gestreiftes Muster, das mit zunehmendem Alter verblasst, einen breiten Kopf, eine stumpfe Schnauze und gezackte Zähne, die Knochen und Schalen durchdringen können. Sie sind gefräßige Raubtiere und ernähren sich von Fischen, Krebstieren, Mollusken, Meeresschildkröten, Robben, Delfinen, Rochen und sogar anderen Haien.
Beste Beobachtungszeit:
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Südliches Rotes Meer: Juni bis August
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Nördliches Rotes Meer: November bis Februar
Beliebte Tauchplätze: Rocky Island, Zabargad Island, St. John’s Riff, Sha’ab Rumi, Sanganeb Riff, Sha’ab Suedi.
Tigerhaie sind intelligent und unberechenbar; beim Tauchen ist Respekt und Vorsicht geboten, da sie neugierig oder aggressiv reagieren können.
Walhaie
Walhaie sind die größten Fische der Welt, bis zu 12 m lang und bis zu 20 t schwer. Ihr riesiges Maul kann bis zu 1,5 m breit geöffnet werden und filtert tausende Liter Wasser pro Stunde. Sie haben einen dunkelblau-grauen Körper mit weißen Flecken und Streifen, die ein einzigartiges Muster für jedes Tier bilden. Walhaie sind sanfte Riesen, ernähren sich hauptsächlich von Plankton, kleinen Fischen und Krebstieren und legen weite Strecken zurück.
Beste Beobachtungszeit:
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Nördliches Rotes Meer: März bis Juli
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Südliches Rotes Meer: September bis November
Beliebte Tauchplätze: Ras Mohamed Nationalpark, Tiran Island, Daedalus Riff, Sha’ab El Erg, Abu Galawa.
Walhaie sind freundlich und friedlich; Taucher sollten sanft und vorsichtig sein, einen sicheren Abstand halten und nicht berühren oder reiten.
Schutzmaßnahmen und Herausforderungen
Haie gehören zu den am stärksten bedrohten Tieren der Welt, bedroht durch Überfischung, Beifang, Lebensraumverlust, Verschmutzung und Klimawandel. Laut der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) sind über ein Viertel aller Haiarten gefährdet oder bedroht, viele weitere gelten als Daten-defizit oder potenziell gefährdet. Haie sind besonders anfällig für Überfischung aufgrund langsamen Wachstums, später Geschlechtsreife, geringer Fruchtbarkeit und langer Generationszeiten.
Das Rote Meer bildet hierbei keine Ausnahme. Trotz hoher Haivorkommen nehmen die Populationen aufgrund intensiver und unregulierter Fischerei rapide ab. Die Hai-Fischerei begann in den 1950er Jahren und erreichte in den 1980er–1990er Jahren ihren Höhepunkt durch ausländische Flotten aus Europa und Asien. Lokaler Bedarf an Hai-Fleisch und Flossen, besonders in Jemen, Sudan, Ägypten und Saudi-Arabien, trug ebenfalls zur Überfischung bei.
Auswirkungen:
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Rückgang der Fangmengen und -größen
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Beispiel Saudi-Arabien: 1985–2014 sank der Fang pro Aufwand um 90 %, die durchschnittliche Größe um 50 %
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Konsequenzen für das ökologische Gleichgewicht und den wirtschaftlichen Wert der Meeresressourcen